Titelbild
Gemeinsames Wort der Evangelischen und Katholischen Kirche im Sauerland zum Reformationsgedenken 2017

(c) Martin Manigatterer/Pfarrbriefservice.de
„Gott blies dem Menschen den Odem des Lebens in seine Nase.“ (1 Mose 2,7)

„Gott hat dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt.“ (Pred 3,11)

„Gott hat den Menschen sein Licht in ihre Herzen gegeben.“ (Sir 17,7)

„Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“ (Röm 5,5)

„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ (2 Kor 5,7)

 

Vor 500 Jahren lenkte Martin Luther den Blick auf die Heilige Schrift als dem Evangelium von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, verbunden mit dem Ruf zur Umkehr und Erneuerung. „Das Geheimnis Gottes ist Christus, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“ (Kol 2,2f.) Seine Schätze hat Gott auf vielerlei Weise in uns Menschen gelegt, gegeben, eingegossen und eingeatmet.

 Doch so wie wir einzelnen Menschen ist auch die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden wie ein „zerbrechliches Gefäß“, das die Schätze der Gegenwart Gottes in sich trägt. In den Jahrzehnten vor der Reformation war die Zerbrechlichkeit der Kirche so überdeutlich geworden, dass der Blick auf den in ihr liegenden Schatz versperrt schien. Luther und andere Reformatoren wollten das ändern, um die Gegenwart Gottes in der Kirche wieder sichtbar und wirksam werden zu lassen.

Viele menschliche Unzulänglichkeiten auf allen Seiten führten jedoch statt zu einer gemeinsamen Sorge um Gottes Liebe zu dieser Welt zu einem Machtkampf um das „Gefäß“, was dadurch zerbrach. Zwei Kirchen etablierten sich als voneinander getrennte „Gefäße“, die gegeneinander in Stellung gingen, um das je Eigene hervorzuheben und zu verteidigen.

Es dauerte bis in letzte Jahrhundert, bis unter dem Leitbegriff der Ökumene Wege zueinander gesucht und gefunden wurden. Endlich überwog nicht mehr die ängstliche Verteidigung des „Eigenen“, sondern die Trauer um das „zerbrochene Gefäß“ und die Herausarbeitung des Gemeinsamen, das immer viel größer war als das Trennende. Der Blick weitete sich wieder vom Gefäß hin zu dem Schatz, der darin verborgen liegt.

Auch die evangelische und katholische Kirche im Sauerland betrieb vielerlei „strukturelle Gefäßchirurgie“ bis hin zu den jüngsten Veränderungen der Pastoralverbünde und der Neuorganisation von Gemeinden und Kirchenkreisen. Viele Kräfte wurden so gebunden. Aus Anlass des Reformationsgedenkens haben sich nun auf einem ökumenischen Einkehrtag im April 2016 im Bergkloster Bestwig Priester, Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten, Ordensbrüder und Ordensschwestern aus dem Sauerland aufgemacht, um sich gemeinsam unter dem Wort Gottes zusammenzufinden. Dort wurde in die geistlichen Übungen Martin Luthers eingeführt, die interessanterweise eine große Nähe zu den Exerzitien des Ignatius von Loyola haben. In ihrer Spiritualität sind beide Kirchen sehr verwandt. Und so wandelten Evangelische und Katholische, Männer und Frauen, Alte und Junge, manche in Kutte, andere mit Schleier mit einem Bibeltext durch den Klostergarten, tauschten sich dann darüber aus, feierten zusammen die Vesper und haben zum Schluss gemeinsam gegessen. In unsrer je eigenen Einmaligkeit und Verschiedenheit waren wir eine Gemeinschaft unter dem Wort auf ökumenischer Schatzsuche nach der „überschwänglichen Kraft“ Gottes.

Diese Kraft Gottes wieder neu erlebbar und nutzbar zu machen für die Menschen unserer Zeit ist für uns als evangelische und katholische Kirche im Sauerland der Impuls des Reformationsgedenkens 2017. Wir sehen uns in ökumenischer Verantwortung herausgefordert, den uns gemeinsamen Inhalt der christlichen Botschaft wieder neu zur Sprache zu bringen, so dass diese für Menschen von heute als existenziell bedeutsam erfahren wird in Hoffnung, Orientierung und Tiefe.

Nur von seinem Inhalt her wird das Gefäß heil und ganz. Gewiss bleiben manche Lehrmeinungen trennend. Und dennoch können wir gemeinsam die Schätze Gottes in der Welt zum Leuchten bringen und auf je unsere Weise in unterschiedlichen Farben aufstrahlen lassen. Die vielen Menschen, die Gott suchen, können keinen Scherbenhaufen gebrauchen, sondern sind auf ein „Gefäß“ mit weit offenen Zugängen angewiesen, aus dem heraus Gott alle einlädt, die ihn nötig brauchen und sehnsüchtig suchen. Im Gebet schon vereint bitten wir Gott dafür um seinen Heiligen Geist.

Abtei Königsmünster, P. Aloysius Althaus OSB, Abt                                          

Bergkloster Bestwig, Sr. Johanna Guthoff, Provinzoberin                                 

Dekanat Hochsauerland Mitte, Pfr. Georg Schröder, Dechant                                      

Dekanat Hochsauerland Ost, Pfr. Michael Kleineidam, Dechant                       

Dekanat Hochsauerland West, Pfr. Hubertus Böttcher, Dechant

Evangelischer Kirchenkreis Arnsberg, Pfr. Alfred Hammer, Superintendent                          

 

 


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